Konzepte zur Tinnitusbehandlung

Dr. Verena Greimel
Salzburger Universitätsklinik
A-5020 Salzburg
Telefon +43-662-4482-4028
Telefax +43-662-4482-4029
eMail: K.Greimel@salk.at
Dr. Eberhard Biesinger
Maxplatz 5
D-83278 Traunstein
Telefon: +49-861-209740
Telefax: +49-861-2097430

 

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Ort: Salzburg

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Auskunft und Anmeldung:
                                        HNO-Praxis
                                        Maxplatz 5
                                        83278 Traunstein
                                        eMail: andrea.steinmassl@gmx.de

Die Fortbildungsveranstaltung wendet sich insbesondere an HNO-ÄrztInnen,
PsychologInnen und ärztliche PsychotherapeutInnen. Sie soll entsprechend den Leitlinien
der ADANO die medizinischen und psychologischen Grundlagen der modernen
Tinnitusbehandlung vermitteln.
Dabei wird empfohlen, dass jeweils MedizinerInnen und PsychologInnen bzw. ärztliche
PsychotherapeutInnen im Team zur Fortbildung kommen. Dies würde in hervorragender
Weise den Startschuß für eine gemeinsame Tinnitusambulanz und Sprechstunde in
Klinik und Praxis geben.
Das Seminar ist nicht nur zur persönlichen Weiterbildung gedacht, sondern dient auch als
Modell für ein Desease Management des Krankheitsbildes Tinnitus. Da die Fortbildung
von den Fachgesellschaften und den wissenschaftlichen Gremien, wie z.B. die ADANO
(Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Audiologen und Neurootologen) anerkannt ist,
dienen die darin vermittelten Inhalte und Strukturen einer Tinntusbehandlung als
derzeitige Diskussionsgrundlage für ein Kostenerstattungsmodell.

Der ursprüngliche Gedanke war die Vermittlung der Inhalte der
Tinnitusretrainingtherapie nach Jastreboff. Sehr schnell zeigte sich jedoch, dass dem
klassischen Tinnitusretrainingmodell ein wesentlicher Bestandteil fehlt: die
professionelle psychologische Diagnostik und Beratung. Gerade die „schwierigen“
Tinnituspatienten brauchen eine solche professionelle Hilfe. Die vermittelte Teamarbeit
bedeutet deshalb eine Professionalisierung in Diagnostik und Beratung auf
medizinischem und psychologischem Fachgebiet. Dies bedeutet eine maximale
Entlastung der HNO-Sprechstunde in Klinik und Praxis bei gleichzeitiger
Kompetenzsteigerung und zufriedenen PatientInnen.
Tinnitusbehandlung, die Spaß macht!

 

Richtlinien zur Vergütung bei der Behandlung von Tinnituspatienten

Empfehlungen eines deutschsprachigen Konsensusprozesses zwischen der deutschen Tinnitusliga,
Vertretung von HNO-ÄrztInnen und Psychologinnen

Die zeitgemäße Diagnostik, Behandlung und Beratung eines Tinnitus-Patienten setzt ein hohes Maß
an technischem und personellem Aufwand, eine umfangreiche Weiterbildung und die Bildung eines
Therapeutenteams voraus.

Wie die Betroffenen, vertreten durch die deutsche Tinnitusliga, selbst erkannt haben, sind diese Leistungen nicht oder nur
unvollständig im Leistungskatalog der Krankenkassen abgebildet. Eine adäquate Tinnitusbehandlung in der Kassenpraxis
ist derzeit nicht möglich!

Trotz nunmehr über 13-jähriger Bemühungen ist es nicht gelungen, mit den Krankenkassen, das seither vorliegende und
von der ADANO für gut geheißene Konzept umzusetzen. Dies, obwohl Vertreter des medizinischen Dienstes und auch
einzelne Krankenkassen das strukturierte Vorgehen begrüßt und prinzipiell akzeptiert hatten.

Betroffene und Kassenärzte sind ratlos: Moderne audiologische Verfahren sind zeitaufwendig, aber notwendig, da sie
besondere Therapieverfahren indizieren können. Als Beispiel sei hier genannt die Messung der Residualen Inhibition als
Grundlage für die Versorgung mit speziellen akustischen Geräten. Die Tinnitus-spezifische Beratung (Counseling) muss
gelernt werden und übersteigt das normale Zeitmaß einer Praxis bei Weitem. Erfolgt eine solche Beratung nicht, unvollständig
oder negativ ("damit müssen Sie leben..."), so werden beim Betroffenen u.U. eine Dekompensation mit drohender Arbeits-
oder gar Erwerbsunfähigkeit, eine Chronifizierung, eine Angststörung und/oder Depression provoziert.

Um eine zeitgemäße Tinnitusbehandlung zu initiieren, wurden unter Leitung der deutschen Tinnitusliga der folgende
Algorhythmus erarbeitet und einVergütungssystem vorgeschlagen.
Diese Vorgehensweise entspricht einem modernen Desease-Management und ist qualitätskontrolliert (Tinnituspass).

Zentraler Punkt ist die Einbeziehung der deutschen Tinnitusliga als Vertreter der Betroffenen. In einem Vorstandsbeschluss
der deutschen Tinnitusliga vom Dezember 2007 wurde das Konzept bewilligt.

Voraussetzungen:

Der Grundgedanke einer gemeinsamen Teamausbildung liegt in der Zusammenführung der Professionen, das heißt im
wesentlichen der PsychotherapeutInnen und der Hals-Nasen-OhrenärztInnen. Hierfür werden zwei bis dreitägige
qualifizierende Kurse angeboten, in denen die nachfolgend beschriebenen Inhalte dargestellt und diskutiert werden.
Weiterer Inhalt dieser Kurse wird, sofern realisiert, die Schulung des Modells der integrierten Versorgung sein.
Wesentliches Ziel ist also das gemeinsame Verständnis für die beteiligten Professionen und die Vermittlung von
Grundkenntnissen des jeweils anderen Gebietes, also für die HNO-ÄrztInnen die Grundlagen der psychologischen
Diagnostik und Therapien und für die PsychologInnen die Grundlagen der tinnitusrelevanten Hals-Nasen-Ohren-ärztlichen
und audiologischen Kenntnisse.

Im Einzelnen handelt es sich um:
- Anatomische, physiologische, neuroanatomische und neurootologische Grundlagen der Tinnitusdiagnostik und -therapie
- Psychologische Grundlagen chronischer Erkrankungen
- Psychologische und bio-psycho-soziale Krankheitsmodelle bei Tinnitus
- Psychologische Diagnostik bei Tinnitus
- Evaluierung und Bewertung der subjektiven Tinnitusbelastung und Hyperakusis
- Psychologische Therapiekonzepte bei akutem und chronischem Tinnitus
- Medizinische Therapiekonzepte bei akutem und chronischem Tinnitus - Tinnitusretrainingtherapie
- Das Neurophysiologische Modell nach Jastreboff - Prinzipien zentraler akustischer Verarbeitungsprozesse
- Organisation und Umsetzung des Tinnitustherapiekonzepts (ADANO) mit Schwerpunkt interdisziplinäre Teamarbeit
- Diagnostik und Therapie der Hyperakusis - Prinzipien der Anwendung von Tinnitusmaskern - Grundlagen der Hörgeräteversorgung
- Grundlagen der Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen
- Tinnitus und HWS/Kiefergelenk
- Begutachtung
- Grundlagen einer Hörtherapie (Optimierung der auditiven Wahrnehmung)

Diese Qualifizierende gemeinsamen Kurse sind also für die beteiligten HNO-ÄrztInnen und PsychologInnen bzw. Ärztlichen
PsychotherapeutInnen verbindlich.

Die bereits ausgebildeten Teams sind bei der deutschen Tinnitusliga gelistet.

Dokumentation:

In Anlehnung an die longitudinale Dokumentation von Befunden und Behandlungsmaßnahmen im so genannten Tumorkalender
wurde der Tinnituspass als ein solches Instrument vorgeschlagen.

Darin sind enthalten:
1. Eine Grundinformation über das Behandlungskonzept und die Art der Eintragungen
2. Persönlicher Bericht des Betroffenen
3. Bericht und wesentliche Befunde des Hausarztes
4. HNO-ärztliche Diagnose und Untersuchungsergebnisse, einschließlich der Bewertung, Audiogramm und der audiologischen Tinnitusparameter
5. Bericht über das HNO-ärztliche Counseling und den dabei besprochenen Maßnahmen
6. Ergebnisse der psychologischen Diagnostik und Maßnahmen daraus
7. Ergebnisse der Tinnituskonferenz und Darstellung des Therapieplanes
8. Technische Versorgung mit Anpassbericht des Akustikers
9. Follow up - Eintragungen der verschiedenen beteiligten Professionen als weiterführende offene Dokumentation
10. Ablage für relevante Dokumente

Der Tinnituspass ist ein wichtiges Dokument zur Vermeidung von Doppeluntersuchungen und zur bestmöglichen Information aller Beteiligten,
einschließlich des Betroffenen. Der Tinnituspass bleibt in der Hand des Betroffenen (Datenschutz und Datenverantwortlichkeit).
Der Tinnituspass ist weiterhin Grundlage des Qualitätsmanagements.

Qualitätsmanagment:

Die Deutsche Tinnitusliga (DTL) als Vertreter der betroffenen engagiert sich für ein aufrecht erhalten von Information und Fortbildung
der Teams. Hierzu dienen insbesondere ein jährliches Treffen der ausgebildeten Teams, Besuche einer einzelner Teams, Gestaltung des
Tinnituspasses, Auswertung der im Tinnituspass dokumentierten Befunde, Koordinierung von Folow-Ab und Unterstützung bei
wissenschaftlichen Untersuchungen.

Zu den Jahrestreffen sind Vertreter des medizinischen Dienstes der Krankenkassen, die Krankenkassen und die Berufsverbände prinzipiell
eingeladen.

Algorithmus

Legende:
(1) Erforderliche Leistung teilweise im kassenärztlichen Abrechnungssystem abgebildet
(2) Erforderliche Leistung nicht kassenärztlichen Abrechnungssystem abgebildet
(3) Erforderliche Leistung teilweise im kassenärztlichen Abrechnungssystem abgebildet, sofern Zulassung vorliegt
(4) Erforderliche Leistung komplett im kassenärztlichen Abrechnungssystem abgebildet

1. Erstvorstellung beim HNO-Arzt und Anamnese

HNO-Ärztliche, spezielle Tinnitus-Diagnostik einschließlich der Feststellung des Betroffenheitsgrades (Evaluation mittels Fragebögen
und klinische Einschätzung), evtl. Medikation, ggf. Hinzuziehung weiterer Ärzte (Hausarzt!). Kurzcounseling.

2. Beratung (Counseling)

a) in Gruppen
b) Individuell bei
- Nichteignung (Cognitiv, sozial…)
- medizinischer Co-Morbidität im HNO-Bereich (Hörstörung, Schwindel, Hyperakusis, spez. Erkrankungen)
- Arbeitsunfähigkeit von mehr als 1 Woche
- erheblicher medizinischer Co-morbidität (z.B. KHK, Diabetes Mellitus...)
- Ab Grad 3 der Tinnitusbelastung

3. Fakultativ. psychologische Diagnostik über 2-5 Stunden
4. Tinnituskonferenz mit Patient, HNO-Arzt und Psychologe à fakultativ Einleitung weiterer Therapieverfahren
5. Nachfolgende Visiten und weitere Beratung
6. Schlussbesprechung und Abschluss der Therapie

 


Teilnehmer der Konsensuskonferenz

 

Tinnitusrehabilitation

Abrechnung der nicht kassenärztlich abgebildeten
Leistungen im Rahmen der Algorithmen TRT-ADANO:

Eingangscounseling

GOÄ 30 (analog)
Erhebung einer otoneurologischen Erstanamnese
bei Tinnitus mit Leidensdruck gem. § 6a entsprechend
der GOÄ 30 a,
einschließlich Anwendung und Auswertung standardi-
sierter Fragebogen
102,60 €
+  
GOÄ 15
Einleitung und Koordination flankierender therapeutischer und sozialer Maßnahmen
während der kontinuierlichen ambulanten Betreuung eines chronisch Kranken
34,20 €
 
Gesamt:                     136,80 €

Folgecounseling 2. + 3.
GOÄ 31

(mindestens oder > 30 min.,
je nach Zeitaufwand)

bei 2,3-fach                     60,33 €
Counseling Gruppe:
GOÄ 20
Beratungsgespräch in Gruppen von 4 bis 12 Teil- nehmern im Rahmen der Behandlung von chronischen Krankheiten, je Teilnehmer und Sitzung, Dauer mindestens oder > 50 Minuten, je nach Zeitaufwand
bei 3,5-fach                     24,48 €

 

Spezielle Audiologische Tinnitusdiagnostik mit:

Audiogramm, U-Schwelle, Tinnitusmatching, Tympanometrie, OAE's, Sprachaudiogramm,
Residuale Inhibition, wenn möglich: Hochtonaudiometrie, ggf. BERA.

(Markiertes nicht im Abrechnungssystem der Krankenkassen enthalten)

Tinnitusbestimmung:
GOÄ analog 1403a: 1,8-fach 16,58 €
Residuale Inhibition:
GOÄ analog 1403a: 1,8-fach 16,58 €
Unbehaglichkeitsschwelle:
GOÄ analog 1403a: 1,8-fach 16,58 €
Hochtonaudiometrie
GOÄ analog 1403a: 1,8-fach 16,58 €

 

Im Einzelfall:
GOÄ 857
Fragebogen Auswertung (mehrere Tests müssen an ver- schiedenen Tagen abgerechnet werden)
bei 1,8-fach                   € 12;17 €
Tinnituskonferenz
GOÄ 34

Erörterung (Dauer mindestens oder > 20 Minuten, je nach Zeitaufwand) der Auswirkungen einer Krankheit auf die Lebensgestaltung in unmittelbarem Zusammen- hang mit der Feststellung oder erheblichen Verschlimmerung einer nachhaltig lebensver- ändernden oder -bedrohenden Erkrankung - einschließlich Beratung - ggf. unter Einbeziehung des Patienten oder anderer Therapeuten (nur 1x im Quartal)
bei 2,3-fach 40,22 €

oder

GOÄ 60
(besser, wenn Fachleute teilnehmen) konsiliarische Erörterung zwischen zwei oder mehr liquidationsberechtigten Ärzten, für jeden Arzt

bei 2,3-fach                    16,08 €
Kurzcounseling
GOÄ 849 analog, (Voraussetzung psycho somatische Grundversorgung) oder
GOÄ 31
bei 2,3-fach                    30,83 €
Pflege des Tinnituspasses (Ersteinträge) GOÄ 77a
schriftlicher Kurplan
bei 3,5-fach                    30,60 €


Psycholog. Diagnostik und Therapie, Gruppentherapie bei
Tinnitusbewältigung

Erfolgt im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben bei niedergelassenen Psychotherapeuten, bzw.
ärztlichen Therapeuten, bei Privatliquidation im Rahmen der entsprechenden GOÄ-Ziffern.

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